TAUSCHMAGAZIN-Newsletter November 2006TAUSCHMAGAZIN-Newsletter November 2006 Liebe Tauscherinnen und Tauscher, einige von euch haben den Oktober-Newsletter doppelt erhalten und dieses moniert. Da das TAUSCHMAGAZIN ohne vorherige Absprache von dritter Seite großflächig weiterverschickt wurde, haben wir hierauf keinen Einfluss; wendet euch bitte mit euren Reklamation direkt an den Versender. Diese Aktion hat uns allerdings viele neue Abonnenten beschert, die das TAUSCHMAGAZIN künftig direkt beziehen werden. Willkommen! Klasse, dass der TAUSCHMAGAZIN-Newsletter vom Oktober euch so zur Diskussion angeregt hat. Eine Auswahl der begrüßenswert unterschiedlichen Leserbriefe findet ihr unten. Wir hoffen, hiermit einen regen und konstruktiven Austausch eingeleitet zu haben, der im TAUSCHMAGAZIN und sicherlich auch innerhalb der Tauschsysteme weitergehen wird. Nach der bereits bundesweit gemailten Informationen "das Treffen deutschsprachiger TauschSysteme war in jeder Hinsicht ein GIGANTISCHER Erfolg!" (O-Ton Peter Scharl) könnt ihr in diesem TAUSCHMAGAZIN drei Berichte von TeilnehmerInnen des Treffens lesen. Die Unterschiedlichkeit der Berichte gibt einen Einblick in die vielfältigen Sichtweisen und Interessen. Nach dem Treffen ist vor dem Treffen: Die beim BT 2006 gegründete Arbeitsgruppe "Tauschringe im Dialog" hat in Wangen angekündigt, das 12. Bundestreffen der Tauschsysteme 2007 in Kassel auszurichten. - Fragen an einzelne TeilnehmerInnen wurden teilweise ausweichend oder überhaupt nicht beantwortet. Wir warten gespannt auf den Bericht vom 1. Treffen der Arbeitsgruppe in neuer Zusammensetzung. Aktuell gibt es wieder Presseberichte, in denen Tauschringe und Regiogeld (wie im letzten Newsletter beschrieben) als eine Einheit wahrgenommen werden - zu unserem Nachteil. Beide Systeme werden in einem "Atemzug" genannt, ohne das Wesen der Tauschsysteme wiederzugeben. Auch ein Thema in der nächsten Contraste-Ausgabe. Positive Ansätze gab es Ende November beim Kongress Solidarische Ökonomie an der TU Berlin, wo Tauschsysteme für sich gesprochen haben und nicht - wie vorgesehen - von Regiogeld-VertreterInnen dargestellt wurden. Wir hoffen, in der nächsten Ausgabe davon berichten zu können. Folgende Berichte warten auf euch: Bericht vom (Bundes-)Treffen deutschsprachiger Tauschsysteme 2006 in Wangen im Allgäu Treffen der deutschsprachiger Tauschringe Tauschringe und Regiogelder Tauschring Emscher-Lippe stellt sich vor (Fortsetzung: siehe unten) Die Unverbindlichkeit der Tauschsysteme Leserbriefe Diese TAUSCHMAGAZIN-Ausgabe ist lang für einen Newsletter. Erscheint euch diese Art der Versendung praktisch oder fidnet ihr z.B. eine Verlinkung auf die Homepage zu den Artikel günstiger? Über Rückmeldungen hierzu und zu unseren Artikel freuen wir uns. Eine schöne Vorweihnachtszeit wünscht euch Dagmar Capell Ihr möchtet diesen Newsletter künftig nicht mehr erhalten? Bitte eine kurze Nachricht an tauschring@web.de. +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Bericht vom (Bundes-)Treffen deutschsprachiger Tauschsysteme 3. - 5. November 2006 in Wangen im Allgäu Vom 3. bis 5. November 2006 fand in Wangen das „Treffen deutschsprachiger Tauschsysteme“ statt. Auch wenn es sich diesmal offiziell nicht um ein Bundestreffen deutscher Tauschringe handelte, war es doch für viele der Anwesenden genau dies, waren doch der Ablauf und die Organisation sehr ähnlich den bisherigen Bundestreffen mit der einzigen Ausnahme, dass Österreichische und Schweizer Tauschringe diesmal nicht als „Außenstehende“, sondern als explizit eingeladene Gäste angesehen wurden. Dies wurde auch bestärkt dadurch, dass neben dem Hauptorganisator, dem Memminger Tauschring, und einigen weiteren Allgäuer Tauschringen auch der Talente-Tauschkreis Vorarlberg an der Organisation beteiligt war. Im Vorfeld laut gewordene Stimmen, dass ein Treffen unter ausländischer Beteiligung nicht als Bundestreffen dienen kann, haben sich als gänzlich unzutreffend erwiesen, da die meisten Themen sowieso länderübergreifend relevant sind und es für die wenigen länderspezifischen Themen wie „Recht und Steuern“ auch Platz gab. Am Freitag, 3. November fanden nach dem Eröffnungsplenum, in dem hauptsächlich organisatorische Themen besprochen wurden, in vielen Räumen parallel sogenannte „Kojen“ statt, in denen vorher angemeldete und angekündigte Themen präsentiert wurden. Bei den Themen der Kojen gab es eine sehr große Vielfalt, die nach der angekündigten „Sowohl-als-auch“-Mentalität der Organisatoren auch zu erwarten war. Insbesondere waren auch viele Themen (wie z.B. Regiogeld) vertreten, die nicht direkt mit Tauschringen zu tun haben, sondern nur bei einigen Tauschring-Vertretern Interesse wecken. Aufgrund der vielen gleichzeitig stattfindenden „Kojen“ verteilten sich die Besucher sehr stark auf viele Räume und hatten daher – trotz der Option des „Wanderns“ zwischen verschiedenen Räumen – keine Möglichkeit, alles wahrzunehmen, was sie interessierte. Eine Vorauswahl mit Zusammenfassung ähnlicher Themen und Konzentration auf die wesentlichen Tauschring-Themen hätte sicher nicht geschadet und den Teilnehmern die Möglichkeit gegeben, mehr Interessantes mitzunehmen. Nach dem Abendessen schloss der Freitag mit einem Vortrag von Jon Rogers zum Thema „Impuls Altersvorsorge“. Der Samstag fand unter dem Konzept „Open Space“ statt. Die Teilnehmer des Treffens (insgesamt über 300 aus ca. 75 Tauschringen) konnten selbst festlegen, welche Themen für sie wichtig sind und daher in Workshops diskutiert werden sollten. Die große Anzahl und sehr unterschiedliche Ausrichtung der 36 in drei Blöcken angebotenen Workshops machte vielen die Entscheidung für einen bestimmten Workshop schwer. Außerdem kam es durch die vielen parallelen Workshops, dass einige nur sehr schwach besucht waren. Vielleicht hätte eine geringere Anzahl paralleler Workshops diesem ansonsten sehr gut vom Talente-Tauschkreis Vorarlberg moderierten Tag gut getan. Nach den Workshops schloss der offizielle Teil mit einem Plenum, in dem die Moderatoren einige Stimmungsbilder zu stark diskutierten Themen einholten. Dabei zeigte sich, dass sowohl beim Thema „Gewerbe in Tauschringe“ als auch bei der Frage „Zeit- oder Geld-orientierte Ausrichtung“ die Meinungen vielseitiger nicht sein konnten, denn es schien jeder Teilnehmer eine andere Meinung zu vertreten. Nach dem Abendessen klang der Tag mit einem bunten Abend und Life-Tanzmusik aus. Am Sonntag schließlich wurde der Inhalt des gesamten Treffens noch einmal aufgearbeitet, indem den anwesenden Teilnehmern die Möglichkeit gegeben wurde, ihre Eindrücke und wichtige Erkenntnisse noch einmal für alle in Worte zu fassen. Auf eine Präsentation der Workshop-Ergebnisse wurde verzichtet, da dies aufgrund der hohen Workshop-Anzahl den Rahmen gesprengt hätte und Jeder sich gezielt die auf Wandzeitungen ausgehängten Ergebnisse der für ihn interessanten Workshops genauso gut selbst durchlesen konnte. Die dabei geäußerten Eindrücke waren bis auf einzelne Ausnahmen überwiegend positiv, so dass man sagen kann, dass es sich um ein durchaus gelungenes und harmonisches Treffen gehandelt hat. Das Treffen endete schließlich mit der Ankündigung, dass sich die Arbeitsgruppe „Tauschringe im Dialog“ bereit erklärt hat, das nächste Bundestreffen der Tauschringe zu organisieren, das im nächsten Jahr in Kassel stattfinden soll. Besonders ist dabei, dass nicht ein Tauschring die Organisation federführend übernehmen wird, sondern eine Arbeitsgruppe, die aus bundesweit verteilten Tauschring-Mitgliedern besteht. Als besonderer Themenwunsch für das Bundestreffen 2007 wurde der Arbeitsgruppe das Thema „Einbeziehung Jugendlicher und Senioren“ mitgegeben. Abschließend sei noch erwähnt, dass sämtliche Protokolle und Wandzeitungen des Treffens unter der Internet-Adresse www.carookee.de/forum/TdTS2006 zum Abruf bereitgestellt werden. Treffen der deutschsprachiger Tauschringe Seit nunmehr 10 Jahren findet jährlich ein Treff aller bundesdeutschen Tauschringe statt. Dieses Mal sollte es eine Nummer größer sein: ein Treffen der deutschsprachigen Tauschringe: aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Idee ist verlockend – wollen wir uns doch über unsere Grenzen hinweg austauschen und irgendwann einmal vernetzen. Grenzen und Barrieren einreißen, über unsere Gartenzäune schauen, war angesagt. Jedoch: Österreichische und Schweizer Tauschringe waren vertreten, aber was die anders machen, war nur erkennbar, wenn man zufällig die selbe Arbeitsgruppe teilte. Bei 36 Arbeitsgruppen nicht leicht zu erreichen, hat doch Jede/r von uns auch eigene Prioritäten. Die alles beherrschende Organisationsform dieses Treffens hieß: OPEN SPACE – geleitet durch 2 Moderations-Profis: Cornelia Zahrt aus Frankfurt, einer professionellen Seminarleiterin und Gernot Jochum-Müller, Mitglied des Leitungsteam des TauschKreises Vorarlberg und alternativer Unternehmensberater, die uns mit samtener Stimme versichert haben, dass Jede/r immer zur rechten Zeit kommt, zur rechten Zeit Fragen stellt, was immer geschieht, geschieht zur rechten Zeit. Nun hatten sich viele Menschen versammelt, die alle ihre Fragen hatten... Selbstverständlich gab es auch erfahrene Tauschring-KollegInnen, die ihre Erfahrungen vermitteln wollten in Workshops, die sie anboten. - Aber wie, Fragende und Workshop-Anbieter zusammenbringen? Den TeilnehmerInnen wurden hierzu zwei Modelle vorgestellt: - Entweder bist Du ein Schmetterling und fliegst von einem Arbeitskreis zum anderen – oder - eine Hummel, die fleißig ihre Nahrung sucht – also sich in einem Arbeitskreis fest verankert. Die Variationsmöglichkeiten waren also breit gespannt: - Viele Menschen - alle mit Fragezeichen in den Augen – treffen sich, um ihre alltäglichen oder tiefer gehenden Probleme zu diskutieren, in der Hoffnung, gemeinsam eine Antwort zu finden. Hin und wieder werden sie heimgesucht von Schmetterlingen, die alsbald wieder davonfliegen. - Oder Hummeln sammeln sich um gut vorbereitete ReferentInnen und diskutieren kontroverse Erfahrungen – hin und wieder besucht von Schmetterlingen. - Oder eine Mischung aus allem und nichts. Es gab auch Arbeitskreise zum selben Thema, die aber zu entgegengesetzten Ergebnissen kamen. Nicht die Landesgrenzen zogen sich als Konfliktlinie durch dieses Treffen. Es waren die sich auseinander entwickelnden Ziele und Prioritäten: 1. ZEITTAUSCHRINGE – deren Basis die Lebens-Zeit der Menschen ist, unabhängig von Ausbildung und sozialem Status. Das Tauschmittel ist ZEIT im Rahmen eines geschlossenen und nicht anonymen Systems – weitestgehend unabhängig vom Euro. 2. REGIONALGELD – das gegen Euros eingetauscht wird mit dem Ziel, die regionale Wirtschaft zu stärken. Das Tauschmittel ist immer der EURO: Entweder man hat ihn oder man hat ihn nicht. Das Bewusstsein, die regionale Produktion zu stärken, wird verstärkt und der Globalisierung wird entgegengewirkt. Aber es werden die gleichen Menschen ausgegrenzt, wie in der Euro-Landschaft. Die Einkäufe verlaufen genauso anonym wie sonst auch. Dieses Treffen deutschsprachiger Tauschringe war dominiert von Regionalgeld-Initiativen, die selbstverständlich ihr System als das in die Zukunft weisende begreifen (es sei ihnen unbenommen), allerdings verbunden mit Seitenhieben auf die Zeit-Tauschringe oder einem gönnerhaften „Sowohl als auch“: Wir sind alle Brüder und Schwestern auf dem Weg... Dass dann noch ganz „normale“ Euros über die verschiedenen Marktstände in den Fluren „flossen“ - sei nur am Rande bemerkt. Auf dem Bundestreffen 2005 hat Dr. Karl. Birkhölzer, TU Berlin, Forschungsgruppe Lokale Ökonomie, dringend geraten, beide Systeme getrennt zu halten, sie nicht zu vermischen. Beide Systeme - und noch weitere – sind ein (noch) kleiner Baustein, sich unabhängiger vom globalen Finanzkapital zu machen. Er hatte klar die Unterschiede definiert, welche Vor- und Nachteile die Systeme unterscheiden – und welche sie trennen. Warum sollten wir dann einigen selbst-ernannten Propheten vertrauen, deren Hang zur Selbstdarstellung kaum zu trennen ist von ihren Tauschring-politischen Zielen? Tauschringe und Regiogelder Beim "Treffen der deutschsprachigen Tauschsysteme (TdTS)" in Wangen war das wohl herausragende Thema das Verhältnis der Tauschringe (TR) zu den Regiogeldern. Dabei wurde geworben für die Einbettung der Tauschringe in Regiogeldstrukturen, u. a. nach dem Modell des Sterntalers im Berchtesgadener Land. Ich selbst plädiere für ein klares "Regiogeld? Nein, danke!" Wesentliche Argumente hierzu wurden bereits in der letzten Ausgabe dieses Newsletters genannt, so dass ich hierzu nur kurz Stellung nehmen werde. Ich möchte in diesem Beitrag vor allem für "fair-play" plädieren, Kriterien aufzeigen, mittels derer diese Meinungsverschiedenheit in vernünftiger Art und Weise ausgetragen werden können. In der Begründung für die Unterschiedlichkeit von Tauschringen und Regiogeldern wird auf "Zeit" als Bewertungsmaßstab in den TR hingewiesen. Das ist schon richtig. Im Wesentlichen geht es bei uns Tauschringen um die private Nachbarschaftshilfe. Dabei hat sich in den einzelnen Tauschringen die Frage der Bewertung (neben der "Zeit" gilt hier auch noch der alte LETS-Grundsatz "A green Dollar is a Dollar") in zum Teil etwas unterschiedlicher Art und Weise eingependelt. Maßgeblich ist aber immer der Grundsatz der Reziprozität – Geben und Nehmen bewegen sich auf einer Ebene. Den uns aufoktroyierten Sammelbegriff "Komplementärwährung" mag man auch benutzen, aber die Eigenart von "Tauschsystemen" wird damit unterschlagen. Das damit einher gehende Problem der Tauschringe ist, dass die Talente sehr ungleich verteilt sind, Geben und Nehmen sich anders als in der Euphorie der Gründungszeit oder den null-acht-fünfzehn-Darstellungen vieler Medienberichte eben nicht automatisch ausgleichen. Ein Großteil der Probleme, aber auch der in den letzten Jahren entwickelten und auch in Wangen diskutierten Problemlösungen haben hier ihre Ursache. Letztlich spiegeln sich hier gesellschaftliche Probleme, für welche die Tauschringe nicht verantwortlich sind, sondern zu deren Überwindung sie einen kleinen Beitrag leisten. Im Innenverhältnis müssen Tauschring-OrganisatorInnen über Strukturverbesserungen nachdenken. Im Außenverhältnis sollten sie dagegen mit mehr Selbstbewusstsein auftreten, auch und gerade gegenüber RegiogeldverterInnen. Die Tauschringe haben ihre Stärke im sozialen Bereich, im Unterschied zu den Regionalwährungen setzen sie eher auf Dekommerzialisierung, nicht auf Absatzförderung. Das Glas Wasser ist halb voll, nicht halb leer! Der Konflikt zwischen Tauschringen und Regiogeldern hat ein historisches Vorbild. In den neunziger Jahren hatte Michael Linton in England versucht ein wirtschaftlich bedeutsames LETS aufzubauen. Der auch in Deutschland durch viele Vorträge bekannt gewordene Harry Turner schrieb über dieses letztlich gescheiterte Experiment: "Es schaffte Klarheit darüber, was die Leute bei der Entwicklung von LETS nicht wollten." Auch eingedenk dessen, was John Rogers aus Wales in seinem Vortrag über die sich damals entfachenden Konflikte in Großbritannien angedeutet hat – die Wogen müssen schon geglättet werden. Hinderlich ist dabei eine Missachtung, die in der Regiogeldkampagne gegenüber den Tauschringen mehr als einmal zum Ausdruck gekommen ist. Dazu einige Beispiele: Darstellungen im Ausland, wohlgemerkt nicht nur über Regiogeldprojekte, sondern über die so genannten "Komplementärwährungen" in Deutschland insgesamt sind mehr als einmal mehr als einseitig gewesen – die Leutchen, die nur den Tausch des selbst gebackenen Kuchens organisieren, werden überhaupt nicht erwähnt. (Ich selbst habe mit einer in mehreren Sprachen verfassten Broschüre (siehe unten) zumindest versucht ein objektiveres Bild zu zeichnen; dies auch mit Unterstützung eines prominenten Regiogeldvertreters.) Im Inland wurde bei allgemeinen Präsentationen der Eindruck erweckt, die Tauschringe seien bei der Regiogeldbewegung mit an Bord (dies habe ich selbst miterlebt). Das ist mitnichten der Fall. Beim TdTS wie auch anderen Tauschringtreffen kommen, optimistisch geschätzt, ein Zehntel der in Deutschland tätigen Tauschring-OrganisatorInnen zusammen. Zurückgekehrt nach Norddeutschland habe ich mit einigen jener Leute gesprochen, die vor Ort das miterarbeiten, was Tauschringe ausmacht. Eine Begeisterung für diese neue Form einer Geldbewegung kann ich dabei nicht erkennen. Bei der jüngsten "Vision" von Hoffmann und Sikora wird das Muster der Regiogeldkampagne besonders deutlich: Die Tauschringe werden klein geredet, um damit den Boden für die Einbindung der Tauschringe in die "schöne neue Welt" à la Berchtesgaden zu bereiten. "2000/2001", so die Autoren (S. 89), "hatten die Tauschringe ihren Zenit überschritten." Mit der Realität, dem Boom, den diese Einrichtungen in den Jahren um 2004 erlebt haben, hat das nichts zu tun. Hannover, November 2006: Auf einem Kongress für Experten in Sachen "Stadtteilarbeit" wurde ein Workshop zum Thema "Tauschringe und Regiogelder" angeboten, in dem PraktikerInnen ihre Modelle vorstellten. TauschringvertreterInnen sucht man dabei allerdings vergebens. Die näheren Umstände dieses Skandals finden sich beschrieben in einer kleinen, hoffentlich unterhaltsamen Geschichte unter http://www.rolf-f-h-schroeder.de/Zwerge.html Beim Regiogeldkongress in Weimar waren im Gegensatz zum TdTS auch PolitikerInnen zugegen. Die Bundestagsabgeordnete der Grünen/Bündnis 90, Frau Göring-Eckardt äußerte auf dieser Veranstaltung, dass eine Änderung der rechtlichen Rahmenbedingungen für Zeittauschsysteme geplant sei. Dies impliziert keinen Vorwurf an die RegiogeldvertreterInnen; die Politikerin hatte sich einfach in der Tür geirrt. Die Tauschringe werden sich auf derartige Herausforderungen einstellen müssen. Bei der Uneinheitlichkeit dieser Einrichtungen ist das sicherlich kein leichtes Unterfangen. Bei den Diskussionnen innerhalb der Tauschring-Bewegung schlage ich Folgendes vor: Wirkliche Entscheidungen fallen ohnehin nur auf lokaler Ebene. Wenn ein Tauschring, sagen wir, irgendwo in Süddeutschland sich den Sterntaler als neuen Leitstern wählt, dann bedaure ich dies, aber mir bleibt nur, den Leuten, die sich hier einig sind, viel Glück zu wünschen. Tauschringe sind eben auch Experimentierfelder, wozu auch ein Recht auf Irrtum gehört. Es gibt keine eindeutige Positivdefinition für Tauschringe, die man dem entgegensetzen könnte. Diskussionen über das "wahre Wesen" der Tauschringe haben regelmäßig in Unendlichkeitsschleifen geführt. Allerdings dürften in der Regel auch die Meinungen in den einzelnen Tauschringen durchaus geteilt sein. Wenn man etwa RegiogeldvertreterInnen einlädt, dann wäre es durchaus recht und billig auch Jemanden einzuladen, der die Gegenposition in kompetenter Art und Weise vertritt. Wenn es seitens des Regiogeldverbandes wirklich ein Interesse an monetären Vernetzungen mit den Tauschringen gibt, warum laden sie dann die Kritiker eines solchen Entwicklungspfades nicht zu Diskussionen auf gleicher Augenhöhe ein? Statt die Offenheit der Tauschringbewegung auszunutzen, hier Präsentationen abzuliefern, den KritikerInnen dieses Weges vielleicht noch zu gestatten aus dem Plenum heraus kurz kritische Fragen zu stellen, sollten in Rede und Gegenrede die unterschiedlichen Sichtweisen präsentiert werden. Ergänzt durch eine anschließende Pro- und Kontradiskussion würde der Meinungsbildungsprozess so in einer fairen Art und Weise organisiert sein. In den vielen Tauschringen, auch und gerade jenen Einrichtungen, die eher apolitisch sind, sollte man sich mit diesem Thema beschäftigen und dann Positionen beschließen. Den kleinen Kreis jener Tauschring-Mitglieder, die für eine Vernetzung von Tauschringen und Regiogeldern eintreten, möchte ich einladen, mit mir und anderen KritikerInnen dieses Weges darauf zu achten, dass bei dieser Auseinandersetzung eine gewisse "Etikette" beachtet wird. ---- Harry Turners Beitrag findet sich auf den Seiten 211ff. in dem 1996 u. a. von der Stiftung Bauhaus Dessau hrsg. Sammelband "Wirtschaft von unten"; Tauschring Emscher-Lippe stellt sich vor Kleiner Abriss des Emscher-Lippe-Tauschrings: Gegründet 1996 auf Initiative der Industrie- und Sozialpfarrämter Gelsenkirchen, Recklinghausen und Herne für den Emscher-Lippe-Bereich. Jahrelange Aktivitäten vor allem in Gelsenkirchen, darunter die Verwaltung beim ISPA, später zunehmend in Recklinghausen. Unser Logo: Blüte und Zahnrad – Arbeit und Leben greifen ineinander. Soligruß Die Unverbindlichkeit der Tauschsysteme Seit über 10 Jahren gibt es Tauschsysteme in Deutschland und seitdem laufen auch Gespräch und Treffen zu dem Thema „Vernetzung der Tauschsysteme“. Mangels klarer Begrifflichkeiten, Ziele und Definitionen für Tauschringe, Zeittauschringe, Seniorengenossenschaften, Nachbarschaftshilfen, Tauschbörsen usw. wird mehr und mehr der Begriff Tauschsysteme benutzt. Dieser Begriff verdeutlicht für mich die vielen Unklarheiten und zeigt gleichzeitig auf das große Manko der bundesdeutschen Tauschsysteme: die Unverbindlichkeit. Die Unverbindlichkeit zeigt sich innerhalb einiger Tauschsysteme und führte und führt letztlich im schlimmsten Fall zum Ende des jeweiligen Tauschsystems. Die Unverbindlichkeit zeigt sich im bundesweiten Miteinander und führt jetzt sogar dazu dass ein Vermischen mit anderen Organisationen auf Kosten der Tauschring-Idee passiert. Wir haben bisher als Gruppe uns und unsere Ziele nicht konstruktiv diskutiert und im Kern definiert. Deshalb werden wir von außen strukturlos wahrgenommen, jeder kann das Wort „Tauschring“ mit beliebigem Inhalt füllen. Und dieses geschieht derzeit immer häufiger. Sei es von Regiogeld-Initiativen, Online-Tauschringen oder auch von der Presse, wie jüngst im taz-Bericht (taz v. 24.11.06). Die Unverbindlichkeit zeigt sich auch bei dem derzeit x-ten Versuch, eine Lobbygruppe zu bilden. Unverbindlichkeit innerhalb der Gruppe erschwert das Miteinander und nach außen erschwert sie die Akzeptanz. Wenn eine Gruppe sich nicht selbst ein Gesicht gibt, wird sie nicht gesehen. Doch haben wir Tauschsysteme kein Gesicht? Oder gar mehrere Gesichter? In den letzten Jahren haben wir einiges erreicht, anderes wurde versäumt. Ob aus Unwissenheit oder sogar gezielt durch Manipulation bestimmter Personen, sei dahingestellt. Hier der Versuch einer Auflistung: Was haben wir erreicht? Verbuchungszentrale Bundesweite Zeitung Adressenlisten Bundestreffen Tauschring-Archiv Internetseiten Mailinglisten Vernetzung Was haben wir noch nicht erreicht? Definition der Begrifflichkeiten Definition unserer Ziele und Inhalte Abgrenzung Vertretung nach außen Rechtssicherheit Wissensvermittlung u.v. m. Die Zeit scheint überreif, verbindliche Tatsachen zu schaffen bevor andere uns dieses ganz aus der Hand nehmen. Wir haben uns bereits vor Jahren in der Vernetzungsrunde der Hamburg Tauschringe über einige grundlegende Gemeinsamkeiten geeinigt ohne an den lokalen Unterschieden zu rütteln, beispielsweise sei hier genannt: In dieser Art und Weise wünsche ich mir auch bundesweit eine Klärung über Begrifflichkeiten. Leserbriefe zum TAUSCHMAGAZIN-Newsletter Oktober 2006 ********************************************************************** Zum Artikel Tauschringe und Regiogeld Wir, das Leitungsteam der Tausch- und Aktivitätenbörse Witten und Umgebung, haben mit großem Interesse den o.a. Artikel gelesen. Die Unterzeichner teilen Dagmar Capells Sorge und bitten sie, weiterhin dagegen anzugehen, dass bestehende Zeit-Tauschbörsen nicht gegen den Willen der Mitglieder teilweise oder gänzlich in Regiogeld-Initiativen umgewandelt werden. Unseres Erachtens sind dies zwei unterschiedliche Dinge, die nicht vermischt werden sollten. Man geht ja auch nicht in einen Briefmarken-Verein, um kegeln zu wollen! Wir haben im letzten Monat unser 10jähriges Jubiläum mit einem sehr schönen Fest gefeiert und unser Tauschring läuft so gut wie nie. Allerdings kümmert sich das Leitungsteam auch intensiv darum. Eine Umstellung ganz oder teilweise auf Regiogeld ist für uns absolut kein Thema. Liesel Graf ********************************************************* Habe selber seit 1993 als Mitglied und Mitbegründer des 1. Kölner Tauschringes der Talent Skulptur die Entwicklung mitgemacht. Nach einem gewissen "Zwischenresume" kann ich nach einem Überfliegen des Oktober-Newsletters nur bestätigen: So unterschiedlich die Menschen, so unterschiedlich die Tauschringe. Seit 2 Jahren koordiere ich bereits jetzt hier oben in Schleswig den Tauschring Schlei (www.tauschringschlei.de). In unseren Anfängen hatten wir eine Reihe von Mitmachern und auch ein gutes Tauschgeschehen. Zur Zeit sind wir ca. 40 Mitglieder wovon ca. 10 noch halbwegs aktiv sind. Dies sehe ich allerdings für mich als Projektförderer in verschiedenen anderen NPO-Bereichen nicht als Problem sondern als Herausforderung unseren Tauschring mit der Zeit weiter nach vorne zu bringen. Durch verzweigtes Denken und Handeln ist es mir bislang immer halbwegs gelungen meine Vorhaben über "neue Wege"zu "Neuen Zielen" zu bringen. So erscheint u.a.aufgrund meiner Iniative ein Bericht über den Schleswiger Tauschring in der Monatsbroschüre der Nord-Ostsee-Sparkasse in Sl-Fl. Weiterhin mache ich unsere Tauschrausch-Feten jetzt meist in Verbindung mit anderen lokalen Festivitäten aus folgenden Gründen. Erstens möchte ich einen Mehrfachnutzen - neue Mitglieder zu werben und möglicherweise nicht nur als Einziger auf unserem Tauschringfest zu erscheinen- erzielen. Auf jeden Fall sollte man sich nicht entmutigen lassen und seine Ziele ausdauernd im Focus behalten. Vielleicht sollte man auch mal überlegen, ob man seinen Blick und seine Aktivitäten in Richtung größerer, kompatibler und besser funktionierender und miteinander agierender Regionaler-Tauschring-Vernetzungen innerhalb der Bundesländer richtet, als seine Zeit an die unendliche "Schwerstarbeit" von Bundeseinheitlichen Regelungen verschwendet. Weiterhin stimme ich Dir zur, dass Regionalgeld zwar auch ihren gewissen Wert haben, aber in meinen Augen nichts mit originärem und sozialkreativen Schaffen zu tun hat. Bernd Weißenborn, ********************************************************* Zum Artikel Tauschringe und Regiogeld Der Begriff "professionell" wird meines Erachtens in diesem Artikel nicht sachgemäß verwendet. Denn ob Tauschen nur der Zeittausch ist oder auch der von Regiogeld und Währung definiert jeder anders und ist nicht festgeschrieben. Also ist es fraglich, ob sich jemand rechtmäßig zum Richter über professionell geführte Tauschringe erheben kann. Der Begriff "Heilversprechen" erscheint genauso unsachlich. Die Regioinitiativen sind im Allgemeinen sozial engagiert und von ihren Thesen überzeugt. Mit dieser Art der Darstellung (aburteilend, nicht fragend) werden meiner Meinung nach positive Energien - nutzbar auch für die Tauschbörsen - verprellt. Ob diese oder jene Linie und Mischung stimmig ist, ist eine andere Frage, die weder ihr noch ich bisher definitiv beantworten können, weil die empirischen Erfahrungen fehlen. Deswegen wollen eben einige Erfahrungen machen. Meine Haupt-Thesen zu diesem Thema sind: - es ist legitim, wenn sich andere TR in eine andere Versuchslinie begeben und die Übergänge zwischen den Währungen fließender gestalten. (Wir kommen alle nicht ganz ohne Geld aus - Übergänge müssen sein). - wichtig sind vor allem klare Definitionen und Überprüfungen der Prozesse unter Unterlassung von Polarisierungen. Gruß ********************************************************* Ich habe das letzte Tauschmagazin gelesen. Der Artikel zum Thema Tauschringe und Regio war sehr gut gelungen - Glückwunsch. Rolf Manske ********************************************************* Der Verfassen der nachfolgenden Zeilen hat auch auf zweimalige Nachfragen zur Veröffentlichung nicht reagiert, so dass wir weder seinen Namen noch einen Artikel von ihm veröffentlichen können. Um trotzdem „eine andere Meinung“ mit dem Willen zu einer „objektiven und fairen Publikation“ ins TAUSCHMAGAZIN fließen zu lassen, hier einige Ausschnitte seiner Mails: (...) Jeder, der für sich beansprucht, die Weisheit errungen zu haben (z.B. Ihre Darstellung der Meinung der reinen Zeit-Tauschringler als wahrhafte Tauschszene), denen soll gesagt werden, dass es beim Treffen in Wangen auch, nicht wenige, andere Auffassungen gibt und geben wird - und unterschiedliche Meinungen sind entweder dort zu diskutieren, um sich anzunähern - oder aber zumindest zu tolerieren, d.h. zu achten, denn der sichtbare Erfolg dieser Systeme gibt ihnen ja schon recht in ihrem Bereich! (...) FAZIT: Ich bitte Sie daher, auch andere Meinungen in Ihrem Blatt zu publizieren, damit die Meinungsvielfalt gewährleistet ist, die einer demokratischen Struktur am ehesten entspricht - die Tauschbewegung ist viel zu komplex, als dass Sie sich das Recht dazu herausnehmen können, für diese generell zu sprechen, sozusagen als Monolog - dies wäre wahrlich Anmaßung! (...) Wichtig ist für mich eigentlich nur das friedliche Nebeneinander (Koexistenz) aller möglichen Tauschsysteme - eine Bundesorganisation oder andere zentrale Strukturen sind nicht erforderlich, da sich das System eher basisdemokratisch versteht, und das heißt für mich, es gibt keine Patentlösung, aber verschiedene Möglichkeiten und Ansätze, die sich bereichern können. (...) Für mich scheint sich die Aussage mehrerer Experten in der Tauschszene zu bestätigen, dass das Tauschmagazin keine objektive und faire Publikation beabsichtigt. (...) - ENDE - |
BATT 2010Einladung und ANMELDUNG zum Bundesarbeitstreffen der Tauschringe 2010 BATT 2009BATT 2008 |