Leserbriefe zu den Leserbriefen Oktober 2006 (Thema: Tauschringe und Regiogeld)

Zum Artikel Tauschringe und Regiogeld und den Leserbriefen Oktober 2006 (erschienen Nov. 06)
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Hallo liebe Leser des Tauschmagazins. Ich möchte doch,so kurz wie es mir möglich ist, zu dem Leserbrief von Christiane und auch dem unbekannten Leser aus der Ausgabe Oktober 2006 des Tauschmagazins Stellung nehmen.

von Christiane, hier zu den zitierten Stellen:

>>- ich sehe nicht zwingend, wieso es schlimm sein soll, wenn ich viele Talente an jemanden gegen Geld gebe, wenn der mehr Talente braucht und ich eher Geld. Und andersherum. <<

Für mein Empfinden widerspricht das einem wesentlichen Grundsatzgedanken der Tauschringbewegung. Gerade die Unabhängikeit vom Geld ist einer der Hauptbeweggründe. Im Tauschring sollen nur durch Vertrauen und das Herstellen und Pflegen von sozialen Kontakten ein Austausch ermöglicht werden. Zudem soll eine bessere Verteilung der Machtverhältnisse entstehen. Durch den Aufkauf von Talenten durch € wird eines der großen Probleme des Geldes in die Tauschringe getragen. Es spricht nichts dagegen Regionalgelder und Tauschringe neben einander zu betreiben, aber die Konvertierung von Talenten in €´s ( und umgekehrt) halte ich ebenso wie Dagmar für schädlich.

Der Euro und damit auch Regiogeld, ist für mich kein Tauschmittel mehr (wie es immer noch behauptet wird), sondern ein Frei-Kaufmittel. Ich kaufe mich frei von all den menschlichen und emotionalen Störungen und Konflikten, die sichtbar werden, wenn Menschen wieder direkt miteinander in Kontakt kommen. Wir haben es doch total verlernt (mich eingeschlossen), mit den alltäglichen, zwischenmenschlichen Problemen umzugehen. Wir alle werden in der medialen Welt (Zeitung, Fernsehen, Kino, DVD´s, etc.) ständig mit den tollen Möglichkeiten von Reichtum, unendlicher Freiheit und sogar eines Millionärsstatus geködert. Am Ende kommen da z.B. für viele solche tollen Erfindungen wie Altersheime und Pflegestationen heraus. Man wird "professionell" betreut und die Anverwandten und Kinder können sich ungestört dem Leben und Leistungstreben hingeben. Bei allem, was ich über diese Entwicklung mitbekomme, kann mir manchmal schon ein bißchen Bange werden.

Darum trete ich dafür ein, den Tauschringgedanken immer wieder auf seine Ursprünge zurückzuführen und trotzdem in der Organisation und Definition weiterzuentwickeln.

>>- es ist legitim, wenn sich andere TR in eine andere Versuchslinie begeben und die Übergänge zwischen den Währungen fließender gestalten. (Wir kommen alle nicht ganz ohne Geld aus - Übergänge müssen sein). <<

Dies würde zutreffen, wenn denn "Tauschen" eine Währung wäre. Nur ist es eben aus meiner Wahrnehmung heraus keine Währung. Und genau an dieser Stelle gilt es in der Zukunft zu arbeiten. Was ist ein Tauschring bzw. sind die Tauschringe, wenn Sie keine "Parallel-Währung" sind? Es spricht nichts dagegen verschiedenste Gemüsesorten in eine Suppe zu mischen. Aber möchte ich Getriebeöl hineintun? Ich übertreibe hier mal extrem, aber vielleicht wird daran deutlich worum es mir geht. Bewegen sich Tauschringe und Geld (und damit auch Regionalgeld) wirklich auf der gleichen Ebene? Kann man diese beiden Ebenen wirklich mischen?

>>- wichtig sind vor allem klare Definitionen und Überprüfungen der Prozesse unter Unterlassung von Polarisierungen <<

Durch die Verwendung des Begriffes "Polarisierung, wird eben diese erst erschaffen. Bisher war es eine Meinung, ein Standpunkt. Wie gerade schon beschrieben sehe auch ich einen Teil der zu leistenden Arbeit der Zukunft in der klaren Definition und dem Überprüfen von Wirkungen. Und gerade hier bin ich persönlich Dagmar dankbar, dass Sie immer wieder - allen Anfeindungen zum Trotz- den Finger auf die Wunde legt.

auf den Leserbrief des ungenannten Schreibers:

Ich kenne Dagmar nun schon seit einigen Jahren und habe mich am Anfang auch fangen lassen, von den Aussagen der "Experten in der Tauschringbewegung". Gott sei Dank bin ich meinem Grundsatz treu geblieben: "Gehe immer zur Quelle der Information und vertraue nie auf die Stille Post". Heute kann ich sagen:
Dagmars Standpunkt zu dem Thema Tauschringe und Regionalgeld wird aus meiner Wahrnehmung nicht aus einer "Weisheit", die Sie glaubt errungen zu haben, sondern aus einer Vielzahl von praktischen Erfahrungen in Ihrem langen Tauschringleben gespeist und einer Überzeugung, dass das Vermischen der beiden Ansätze kontraproduktiv ist. Es geht darum die beiden unterschiedlichen Ansätze zu beschreiben und ins Bewusstsein zu nehmen.

Niemand würde versuchen in ein Elektroauto Benzin zu gießen. Nur ist eben dieser Unterschied in der Tauschringbewegung noch nicht herausgearbeitet bzw. nicht dokumentiert. Und daher für viele nicht sichtbar. Zumal bei einem Elektroauto das Ergebnis sofort sichtbar wird - es läuft eben einfach nicht - und bei einem Tauschring sich eine schleichende Veränderung ergibt.

Tauschen, wie ich es verstehe, hat nichts mit einer Währung zu tun, die am Markt tätig wird, an der Börse spekulieren kann, etc,etc,etc. Tauschen ist aus meiner Sicht ein soziales Netz möglichst ohne Anonymität, in dem aufgrund persönlicher Kontakte und vor allem verbindlicher Regeln, ein menschlicher Austausch reaktiviert wird. Hierbei geht es nicht in erster Linie um die genaue Bezifferung des Wertes durch eine Währung, sondern lediglich um die Schaffung eines Rahmes, damit nicht einzelne dieses Geflecht von Beziehungen unbemerkt aussaugen und zerstören.

Herzliche Grüße
Andreas Artmann
Münster(LoWi)